🗂️FOIA-FreigabeDepartment of the Navy

Scott Bray UAP Emails, Navy FOIA Release DON-NAVY-2022-008648

Department of the Navy, FOIA DON-NAVY-2022-008648; obtained by The Black Vault (John Greenewald)

Rund 1.300 Seiten E-Mails und Anhänge aus dem Postfach des früheren stellvertretenden Direktors des Marinenachrichtendienstes Scott Bray, 2019 bis 2022. Sie zeigen den Streit um die Freigabe der Navy-Videos, die Gründung der UAPTF, die Ablösung von Jay Stratton und die Pressearbeit rund um den ODNI-Bericht 2021. 302 Seiten wurden vollständig zurückgehalten.

Typ
FOIA-Freigabe
Behörde
Department of the Navy
Seiten
1325
Veröffentlicht
23. September 2026
FOIA Case
DON-NAVY-2022-008648

Highlights des Dokuments

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Kurzüberblick

Die US Navy hat am 23. September 2026 einen FOIA-Antrag von John Greenewald (The Black Vault) vom 24. Mai 2022 beantwortet. Gesucht waren E-Mails an, von oder in Kopie an Scott W. Bray, damals Deputy Director of Naval Intelligence und Director der Naval Intelligence Activity, mit Begriffen wie UAP, UAPTF, UFO, AATIP und AAWSAP. Von 1.321 gefundenen Seiten gab die Navy 1.019 mit Schwärzungen frei, 302 hielt sie vollständig zurück. Die veröffentlichte Datei hat 1.325 PDF-Seiten und reicht von Oktober 2019 bis April 2022.

Warum das interessant ist

Die Mails zeigen von innen, wie aus einer Navy-Angelegenheit eine formale Regierungsaufgabe wurde: der Streit um die Freigabe der drei Navy-Videos, die Gründung der UAPTF im August 2020, die Ablösung von Jay Stratton an ihrer Spitze, der wachsende Druck aus dem Kongress, der ODNI-Vorbericht vom 25. Juni 2021 und der Übergang zur Nachfolgeorganisation. Über konkrete Sichtungen, Sensordaten oder Analyseergebnisse steht darin fast nichts, das ist eingestuft oder geschwärzt. Die Substanz liegt in Zuständigkeiten, Sprachregelungen und Konflikten zwischen Navy, Pentagon, Geheimdienstkoordination und Kongress.

Die drei Navy-Videos (Dezember 2019 bis April 2020)

  • S. 474 (10.12.2019): Ein FOIA-Bearbeiter bei NAVAIR warnt, die längst öffentlich kursierenden Videos weiter zurückzuhalten, könne den schädlichen Eindruck („harmful perception“) erwecken, die Navy wolle etwas verbergen.
  • S. 306–307 (17.01.2020): In einer Antwort an das Büro des stellvertretenden Verteidigungsministers heißt es, das Nimitz-Video sei zunächst von NAVAIR als SECRET eingestuft und später als nicht eingestuft markiert worden, und: „We do not expect to release this video.“ Drei Monate später wurde es veröffentlicht.
  • S. 319 (23.03.2020): Die FOIA-Stelle des Pentagons stellt klar, dass UAP-Videos nicht unter die Ausnahme für Flugdaten (10 U.S.C. § 130e) fallen: „If 10 USC 130e was used previously for this information, it was in error.“
  • S. 471–472 (16.03.2020): Als NAVAIR die Freigabe ankündigt, bremst die Navy-Pressestelle: „PLEASE WAIT... can we get a communications plan in place“ und „This will be HUGE!“
  • S. 336 (20.04.2020): Parallel zur Freigabe wurde ein Einstufungsleitfaden (Security Classification Guide) für die laufenden UAP-Untersuchungen unterzeichnet, der „protections to preclude public release of any videos/reports/etc.“ schaffen sollte.
  • S. 294 (12.06.2020): Intern erklärt ein Pressebeamter den Zeitpunkt der Freigabe schlicht mit einer ablaufenden FOIA-Frist: „It was due to the FOIA coming due turning into a pumpkin.“

Aufbau der Task Force und Streit um die Führung (2020)

  • S. 58 und 459 (13. und 17.02.2020): Die ONI-Kommandeurin RADM Kelly Aeschbach will Stratton nur noch zu Senatsbriefings schicken, wenn das Büro des Staatssekretärs für Nachrichtendienste (USD(I)) teilnimmt. Am 13.02. hält sie fest, CNO und VADM Kohler wollten die Navy „in the driver’s seat“; vier Tage später schreibt sie: „I want to get Jay and the Navy out of the driver’s seat.“
  • S. 459–460 (17.02.2020): Ein Kalender der UAP-Briefings im Kongress für Februar und März 2020, darunter SSCI-Mitglieder, der Abgeordnete Timmons und die Future Defense Task Force des Streitkräfteausschusses.
  • S. 268 (19.05.2020): Stratton will vom Begriff „task force“ weg, weil der Entwurf aus dem Pentagon von einer „working group“ spricht: „We need to get off the dance floor with the term task force“.
  • S. 480 (19.05.2020): Zu Presseanfragen über Luis Elizondo schreibt Stratton: „he was involved, especially in bridging us with colleagues across the DoD. There’s plenty of paper trail to back that up.“ Das Pentagon hatte 2019 öffentlich erklärt, Elizondo habe bei AATIP keine zugewiesenen Aufgaben gehabt. In der Dublette auf S. 267–268 ist der Name geschwärzt, auf S. 478–480 nicht.
  • S. 141 (07.08.2020): „DSD signed the UAPTF memo Tuesday“, der zeitnahe Beleg, dass der stellvertretende Verteidigungsminister die Gründung am 4. August 2020 unterzeichnet hat.
  • S. 23–24 (20.08.2020): Bray lehnt pointierte Sprechzettel ab, weil die Task Force erst seit einer Woche offiziell bei der Navy liege. Die Pressestelle klagt, die Medien brächten die UAPTF ständig mit „investigating aliens“ in Verbindung.
  • S. 132 und 139 (September 2020): Um ein UAP-Briefing für den Nationalen Sicherheitsberater streiten Pentagon und Navy offen („I work for OSD not the US Navy“); ein Briefing für Abgeordnete im Kapitol ist „up to TS/SI“ eingestuft.

2021: Ablösung Strattons, Fragen der Pentagon-Spitze, Konflikte

  • S. 650–651 (08.02.2021): VADM Jeffrey Trussler zur Ablösung Strattons, über die im Kongress spekuliert wurde, er sei entlassen worden, weil er die Wahrheit sage: „We didn’t fire him, we just put someone in place to manage the effort and team, not an analyst that likes to brief.“ Man habe jetzt jemanden, der „not inciting people with unusual statements“ sei. Bray dazu: Wenn die Senatsmitarbeiter wegen des Wechsels schimpfen wollten, „let ‘em yell“, man solle die Task Force an ihrer Leistung messen.
  • S. 644–645 (08.02.2021): Der scheidende stellvertretende Verteidigungsminister Norquist will wissen, was er nach dem Ausscheiden sagen darf. Seine erste Frage: „Why can't we definitively say - no alien tech“. Außerdem: „Has the TF explained anything we previously categorized as unidentified?“
  • S. 647 und 538 (Januar/Februar 2021): Die Antwortlinie lautet, man äußere sich nicht zu Geheimdienstthemen. Laut Einstufungsleitfaden sei „virtually everything“ an der UAPTF außer ihrer Existenz und ihrem Auftrag eingestuft.
  • S. 800 (10.02.2021): Zu Presseberichten über angebliche „UFO debris“ will sich ein Beamter nicht äußern, weil jede Diskussion über den Bestand des „Foreign Materiel Program“ sofort in eingestufte Bereiche führe.
  • S. 652–655 und 801 (09.02.2021): Die Pentagon-Pressestelle wurde von einer DIA-Freigabe überrascht und ordnet den freigegebenen Bericht intern dem AATIP-Programm zu: „on the AATIP program, which this report was part of“. Die fünf DIA-Studien selbst sind auf S. 656–798 angehängt.
  • S. 835 (11.03.2021): Kritik aus der Navy-Führung am UAPTF-Briefing: Es habe „data“ geliefert, sie aber nicht in „information“ übersetzt, und sei eher auf Anekdoten als auf Analyse ausgerichtet gewesen.
  • S. 841 und 845 (16.03.2021): Bray schreibt, man werde „intelligence content“ nicht auf Wunsch von Stellen außerhalb der Nachrichtendienste ändern. Jennifer Obernier aus dem Büro des Navy-Staatssekretärs antwortet: „I don’t appreciate the insinuation that we are attempting to change your analytic content“.
  • S. 810 (22.02.2021): Auf die Terminbitte für ein „Aliens, UAP Update“ mit Bray folgt die Mahnung: „This stuff gets FOIA'd so I typically avoid witty emails“.
  • S. 861–863 und 868 (April 2021): Der Drohnenschwarm um die USS Kidd gilt intern als kein Fall der Task Force. Zu den geleakten Aufnahmen schreibt ein Beamter, man wundere sich, wie ein Filmemacher die Echtheit bestätigen könne, „when we haven't yet“, und es wäre schön, „if we could plug leaks about the UAPTF“.

Vor und nach dem ODNI-Vorbericht (Mai bis Dezember 2021)

  • S. 926 (14.05.2021): Bray an CNO Gilday vor der 60-Minutes-Sendung über den Nimitz-Fall von 2004: Sie werde den Spott zeigen, dem die Pilotin und ihr Kollege ausgesetzt waren, „and suggest that the Navy didn’t take this seriously at the time. We’ve come a long way since then.“ Bray hatte die Pilotin in derselben Woche getroffen.
  • S. 958–964 (Mai/Juni 2021): Eine Liste der UAP-Briefings von Januar bis Mai 2021, von Kongressausschüssen über Senator Ossoff bis zu Verteidigungsminister („SECDEF briefing 21 May 2021 (DDNI delivered)“) und Generalstabschef.
  • S. 911 (23.04.2021): Die Pressestelle registriert, dass Elizondo Medien über UAP und Atomanlagen unterrichtet.
  • S. 928–929 (19.05.2021): Ein Admiral sieht „quite a bit of overlap“ zwischen Drohnenabwehr und UAP, „particularly in the area of detection and counter/kill“.
  • S. 547–548 (Juni 2021): Die ODNI-Sprachregelung formuliert intern deutlicher als der Bericht: „In a limited number of incidents, UAP appeared to exhibit advanced propulsion characteristics.“ Die Fälle aus der 60-Minutes-Sendung gehören zu den 144 Meldungen.
  • S. 1027 und 1039 (25.06.2021): Zitate aus dem Hintergrundgespräch zur Veröffentlichung, die Journalisten zur Freigabe vorlegten: „These are things that physically exist. They are physical objects.“ Ein Reuters-Reporter ordnet Bray die Aussage zu, es gebe für keines der drei Navy-Videos eine klare Erklärung und alle drei gehörten zu den 144 Fällen.
  • S. 1032–1033 (25.06.2021): Als ein Büro das Wort „exotic“ in Pressezitaten nicht freigeben will, verteidigt Bray es: „I’m good with using “exotic,” which I’ve used with Congress and others.“
  • S. 1060 (27.06.2021): Zu einem Bericht, die Task Force habe nur zwei Teilzeitkräfte gehabt, schreibt Bray, das unterschätze die Zahl der Vollzeitkräfte deutlich, darunter „multiple PhDs“.
  • S. 1069–1070 (01.07.2021): Ein Mitarbeiter des Senats-Geheimdienstausschusses warnt vor einer Wiederholung der Anhörung zu den „Havana-Syndrom“-Fällen (AHI) mit der CIA, bei der Briefer Details verweigert hätten. Intern heißt es zugleich, man befinde sich im Übergang zu dem, „what comes after the Navy’s UAPTF“.
  • S. 1096 (Juli/August 2021): Der Generalinspekteur der Naval Intelligence Activity kündigt einen Besuch des DoD-Generalinspekteurs an, wegen des großen Interesses an UAP „and some historical concerns with those who have represented the program in the past“.
  • S. 1142 und 1145 (September 2021): Die Gründungsvorlage für die Nachfolgegruppe hält fest, das Problem reiche weit über die Zuständigkeit der Navy hinaus, und will „bureaucratic stigma associated with UAP“ abbauen.
  • S. 1172 (18.11.2021): Der UAPTF-Direktor war vor der Abstimmung über ihren Gesetzesantrag bei Senatorin Gillibrand.

Einordnung und Grenzen

  • Seitenangaben beziehen sich auf die PDF-Seiten der Datei bei The Black Vault. Viele Mailketten stehen doppelt oder dreifach im Paket, die Schwärzungen sind dabei nicht immer gleich.
  • Rund 300 Seiten sind nur Platzhalter für vollständig zurückgehaltene Seiten. Die längsten geschwärzten Blöcke sind S. 483–512 (unmittelbar nach der Videofreigabe), S. 1146–1171 (unter anderem Entwürfe zur Nachfolgegruppe) und S. 1186–1287 (ein Anhang ohne erkennbaren UAP-Bezug).
  • Die meisten Formulierungsentwürfe und Einschätzungen sind nach (b)(5) geschwärzt. Sichtbar bleibt vor allem, was die Beamten über den Vorgang schreiben.
  • Ein großer Teil des Pakets sind weitergeleitete Presseartikel und Pressespiegel. Dass sie in Brays Postfach liegen, heißt nicht, dass die Navy oder Bray ihnen zustimmten.
  • Der Antrag war an Suchbegriffe gebunden. Das Paket ist deshalb keine vollständige Geschichte der UAPTF.

Hintergrund

Antwort der US Navy vom 23. September 2026 auf den FOIA-Antrag DON-NAVY-2022-008648 von John Greenewald (The Black Vault) vom 24. Mai 2022. Gesucht waren E-Mails an, von oder in Kopie an Scott W. Bray mit Begriffen wie UAP, UAPTF, UFO, AATIP und AAWSAP. Von 1.321 gefundenen Seiten wurden 1.019 teilweise geschwärzt freigegeben und 302 vollständig zurückgehalten, gestützt auf die Ausnahmen (b)(2), (b)(3), (b)(4), (b)(5) und (b)(6). Die Datei enthält neben den E-Mails auch weitergeleitete Presseartikel und fünf DIA-Studien aus dem AAWSA-Programm als Anhang.